2021/2022
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NEUER AUSSTELLUNGSBEREICH FÜR DIE FC BAYERN FRAUEN

Exponate, Bilder, Anekdoten und Gesichter

Die Vitrinen: in Reih und Glied. Die Pokale: pompös, poliert, schillernd. Ja, der Weg in den neuen Ausstellungsbereich im FC Bayern Museum beeindruckt, denn er führt vorbei an all den Trophäen, die die FC Bayern Frauen in den vergangenen 51 Jahren gewonnen haben. Da sind also zu sehen: der Meisterpokal von 1976, der DFB-Pokal von 2012 und die drei Schalen für die Meisterschaften in den Jahren 2015, 2016 und 2021. Sie stehen alle für sich – erzählen aber auch gemeinsam die Geschichte, auf die diese seit 1970 beim FC Bayern bestehende Abteilung zurückblickt. Sie ist bewegt und bewegend zugleich, handelt von den Höhen wie den Tiefen und beschreibt die jahrzehntelange Entwicklung hin zu einer echten deutschen Spitzenkraft. Man muss nur die „Via Triumphalis“ passieren und um die Ecke blicken – schon kann die Zeitreise durch die Historie der FC Bayern Frauen im Vereinsmuseum beginnen.

Mehr als 700 Exponate sind in den letzten Jahren – also nach dem Aufruf zum Aufbau eines eigenen Frauen-Archivs – zusammengekommen, rund 50 von ihnen haben den Weg in die Ausstellung gefunden. Echte Schätze sind dabei, historische Dokumente aus der Abteilungsgeschichte. Sie alle jedoch sind nicht so alt wie die Aufnahmen, die die Anfänge dieses heute weltumfassenden Sports dokumentieren. Jene etwa von Nettie Honeyball, die noch im 19. Jahrhundert als Gründerin des ersten bekannten bürgerlichen Frauenfußballvereins in England in die Geschichte einging. Jene von Lotte Specht, die 1930 in Frankfurt per Zeitungsannonce Mitspielerinnen für den 1. Damenfußballklub suchte. Jene des ehemaligen FC Bayern-Spielers und Münchner Kaufmanns Joseph Floritz, der den Frauenfußball in den 1950er Jahren in Deutschland entscheidend voranbrachte. Und auch jene des 1. DFC München, der in eben dieser Zeit gegründet wurde. All das passierte, obwohl der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den organisierten Frauenfußball im Jahr 1955 offiziell verbot. Kurz vor der Aufhebung des Verbots im Jahr 1970 dann gründete der FC Bayern seine Abteilung. Heute weiß man: Er war bzw. ist der einzige Männer-Bundesligist, der von Beginn an bis heute durchgehend ein Frauen-Team an den Start brachte bzw. bringt. 

Der erste Titel wurde mit Goaßn-Mass begossen

Damals, am 7. Juni 1970, war das heutige Alleinstellungsmerkmal noch Zukunftsmusik. Es ging erstmal darum, ein Team an den Start zu bringen, und zwar eines, das den Ton angibt. Die Sache war ernst. „Verdammt ernst“ sogar, wie Karl-Heinz Mainz sagte. Der Trainer der Amateure war im Jahr 1970 beim FC Bayern München mit der Aufgabe betraut worden, als erster Coach eine Frauen-Mannschaft zu führen. Eine große Sichtung wurde im Juni 1970 an der Säbener Straße angesetzt, dann hieß es erstmal: trainieren, trainieren, trainieren. Ganze drei Monate lang bat Mainz seine Mannschaft zwei Mal pro Woche bei Wind und Wetter auf den Platz, um Kondition, Technik und Taktik zu üben. Dass die akribische Arbeit sich auszahlen sollte, zeigte sich gleich im ersten Spiel. Das Debüt unter dem nächsten Trainer Fritz Bank endete 7:1 gegen den SV Olching, auch die Heim-Premiere am 15. November 1970 – ein 4:0 gegen den FC Emmering – war ein voller Erfolg.

Trainingslager und internationale Spiele folgten schnell, und auch die anfängliche Skepsis von außen wich zunehmender Begeisterung. Sexistische Kommentare von Beobachtern und Medien blieben nicht aus, aber die Bayern-Frauen begegneten ihnen mit einer gesunden Dosis Humor, beim Zweikampf auf dem Feld genauso wie beim Nachziehen des Lippenstifts in der Kabine. Obwohl zu jener Zeit bereits rund 50 Frauen-Mannschaften im Bayerischen Fußball-Verband (BFV) registriert waren, galten sie stets als Favorit. 28:0 Punkte und 114:2 Tore lautete die Bilanz der ersten Saison, an deren Ende nach der Meisterschaft im Großraum München auch der oberbayerische Titel stand. Ein Jahr später schon war das Team nach dem 4:2 gegen Landshut – der Frauen-Premiere im damals neuen Münchner Olympiastadion – Bayerischer Meister. Der erste von insgesamt 19 Titeln in Folge war der Beginn einer beeindrucken Serie. Auch national benötigten die FC Bayern Frauen nur drei Anläufe. Dem Vorrunden-Aus in der erstmals offiziell ausgetragenen Deutschen Meisterschaft 1974 und der Final-Niederlage 1975 gegen den Bonner SC (2:4) folgte 1976 der erste große Titel. Unter Trainer Fritz Bank feierte das Team nach dem 4:2 n.V. gegen Tennis Borussia Berlin im Siegener Leimbachstadion die Deutsche Meisterschaft. Ganz wie die Männer übrigens „mit den obligatorischen Goaßn-Maßen“, schrieben die Gazetten. Von wegen Prosecco!


Auch der Bundesliga-Abstieg und acht Jahre in der Bayernliga gehören zur Geschichte

Der erste große Titel war schnell gewonnen, bis zum nächsten allerdings – dem DFB-Pokal 2012 – sollten 36 Jahre vergehen. Und so zeigt die Ausstellung auch jene Zeiten auf, in denen die FC Bayern Frauen mehrfach im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft stand, jedoch nie als Sieger vom Platz ging. Auch der Bundesliga-Abstieg im Jahr 1992 gehört zur Geschichte, genau wie der Wieder-Aufstieg, der nach acht Jahren in der Bayernliga im Jahr 2000 gelang. Professionelle Organisationsstrukturen innerhalb der Frauen-Fußballabteilung, eine deutliche Etaterhöhung sowie eine klare Spielidee sollten sich damals bemerkbar machen. Nach dem entscheidenden 3:2 gegen den SC Freiburg in der Aufstiegsrunde waren die Frauen des FC Bayern München erstmals seit 1992 wieder erstklassig – und wollten es auch bleiben. 

Der Weg nach ganz oben gelang schließlich, weil sowohl die Verantwortlichen neben als auch die Spielerinnen auf dem Platz stets mit Herzblut dabei waren, aber vor allem unbeirrt und kontinuierlich gearbeitet haben. Sinnbildlich werden im FC Bayern Museum die Biografien einige Protagonistinnen und Protagonisten herausgestellt, die besonders prägende Rollen einnahmen bzw. - nehmen. Da wären zum Beispiel Gründervater Hans Press und Monika Schmidt, die als erste Spielerin des Vereins mehr als 100 Tore schoss. Torfrau Lydia Köhl und Cornelia Doll, die nach den beeindruckenden aktiven Karrieren neben dem Platz – unter anderem als Initiatorinnen der heute erfolgreichen Jugendabteilung – entscheidend mitwirkten. Die „Mutter der Kompanie“, Maria Meißner. Die Fußballfamilie Tanja, Günther und Thomas Wörle. Die Meistertrainer Fritz Bank, Thomas Wörle und Jens Scheuer sowie Aufstiegscoach Peter König. Rekordspielerin Carina Wenninger. Und natürlich Karin Danner, die schon zu aktiven Zeiten (1977-1984, 1988-1993) die Strippen im Mittelfeld zog – und die Abteilung nach der Karriere auf dem Platz zu dem machte, was sie heute ist. 

Auch die Geschichte der Nationalmannschaft ist eng mit dem FC Bayern verknüpft

Amtierender Deutscher Meister, ernstzunehmende europäische Spitzenkraft, aber vor allem: eine fest verwurzelte Größe im Frauenfußball, die die Entwicklung dieses Sports maßgeblich mit vorangetrieben hat. Es ist kein Zufall, dass auch die Geschichte der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft fest verknüpft ist mit Spielerinnen des FC Bayern München. So stellt der Klub hinter dem 1. FFC Frankfurt bis heute die meisten Nationalspielerinnen. Den Anfang machten 1983 Rosi Eichenlaub und Cornelia Doll, insgesamt verzeichnen die FC Bayern Frauen schon mehr als 400 Einsätze für den DFB. Im Museum erinnert unter anderem ein Kaffee- und Tafelservice an den EM-Sieg von 1989. Die Geschichte dahinter ist nicht nur interessant, sondern spiegelt auch das Ungleichgewicht zwischen Frauen- und Männer-Fußball wider, das damals enorm war – und auch heute noch ein Thema ist. Überhaupt werden im Vereinsmuseum auch Probleme angesprochen, die den Frauenfußball begleiten. Und so schließt die Ausstellung mit einer kritischen Betrachtung des Ist-Zustandes. Die FC Bayern Frauen haben seit 2017 am FC Bayern Campus jede Menge Platz und eine echte Heimat. Sie können aufgrund der zielgerichteten Förderung in Dimensionen denken, die an anderen Standorten nicht möglich sind. Denn obwohl das öffentliche Interesse steigt, ist flächendeckendes Profitum bis heute eine Illusion. 

Es steckt noch viel Potenzial in dieser Sportart, die schon jetzt so viele Geschichten zu erzählen hat. Das wissen die Besucher des FC Bayern Museums am besten.